Die Kaiserstraße – Prachtmeile der Borkumer Bäderarchitektur

Für Borkum begann eine neue Zeit. Mit der Gründung des Deutschen Reiches durch die neue Verfassung vom 1. Januar 1871, der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 und dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges vom 19. Juli 1870 bis 10. Mai 1871 kam es zu einer Phase wirtschaftlichen Aufschwungs. Der Tourismus erlebte ein deutliches Wachstum. Kamen im Jahr 1870 nur 306 Gäste, waren es 1880 schon 2.310. 1890 stieg die Anzahl der Urlauber auf 6.121 und im Jahr 1900 waren es bereits 16.474.

Das wohlhabende Bürgertum suchte nun nach Unterkünften, in denen sie während ihres Sommerurlaubs im besten Sinne „residieren“ konnten. Die Gäste wünschten sich ähnliche Angebote, die sie bereits aus den großen Städten Berlin und Paris kannten: Häuser mit bestmöglichem Komfort, aufwendiger Innenarchitektur, kostbarem Mobiliar, historischen Stil-Elementen in den Zimmern, Sälen, Restaurants und Bars. Dementsprechend begannen mutige Investoren auf Borkum in den Bau von Hotels zu investieren. Die Bäderarchitektur, die bereits schon charakteristisch für einige Badeorte an der Ostsee waren, begann jetzt auch auf Borkum.

Den Kern der Borkumer Bäderarchitektur bildeten
die Kaiserstraße (jetzt Jann-Berghaus-Straße), die Victoriastraße (jetzt Viktoriastraße), die Strandstraße, die Prinz-Heinrich-Straße (jetzt Bubertstraße), die Bismarckstraße und einige Häuser im Dorfkern.

Ausgangspunkt und Kern der Bäderarchitektur war und ist bis heute die Jann-Berghaus-Straße. Einige sprechen von ihr lediglich von der „Oberen Promenade“. Das stimmt natürlich geografisch. In Wirklichkeit heißt sie aber heute „Jann-Berghaus-Straße“, benannt nach dem in Ostfriesland sehr populären Lehrer und Auricher Regierungspräsidenten Jann Berghaus (geb. 19.08.1870, gest. 19.02.1954).
Ihre erste Bedeutung bekam die „Jann- Berghaus-Straße“ als „Kaiserstraße“. Hier war und ist bis heute der Sammelpunkt für Blicke auf das Meer, für Tausende Fahr- räder der Besucher des Nordstrandes, der schönste Ausblick nach Westen in die unter- gehende Sonne, der Beginn herrlicher Som- merabende in der Gastronomie der Strand- promenade. Und das war – wenn auch vor langer Zeit ohne die Fahrräder – immer so. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.

Die Borkumer Bäderarchitektur der Kaiserstraße in einer zeitgenössischen Illustration auf einer Grußkarte von 1901:

Von links nach rechts sind es insgesamt zehn Hotels und Villen, deren Baujahr in Klammern angegeben ist: Strandhotel Hohenzollern (1899), Villa Viktoria (1898), Hotel Viktoria (1891), Köhler’s Strandho- tel (1884-1887-1891), Hotel Kaiserhof (1887), Villa Ines (1886), Nordsee-Hotel (1891), Strandvilla Behrends (1894), Strandvilla Bakker (1891), Strandvilla Hawich (1897).

Quelle: Die große BIOGRAFIE der INSEL BORKUM, 2022/2023, Wolf E. Schneider

Die Borkumer Bäderarchitektur

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